Projektbeschreibung
Zahlreiche Studien und Gutachten zum Vergaberecht - auch von Seiten des Bundesumweltministeriums bzw. des Umweltbundesamtes in Auftrag gegebene - haben die rechtliche Situation für öffentliche Aufträge weitgehend geklärt, diese Erkenntnisse haben sich jedoch noch nicht im Alltag der Beschaffungsstellen durchsetzen können. Darüber hinaus fehlt vielen Anschaffenden eine realistische Bewertung von Energieverbräuchen- und Einsparpotenzialen z. B. von Bürogeräten. Zusätzlich zu den grundlegenden Veröffentlichungen brauchen Entscheidungsträger aus Verwaltungen und Unternehmen praxisnahe Hilfen zur umweltfreundlichen Beschaffung. Diese sollten, um einen Einstieg in das Thema zu erleichtern und eine höhere Akzeptanz zu gewährleisten, zunächst die Beschaffung besonders relevanter Produkte unterstützen.
Allein durch Beschaffung im öffentlichen Sektor wird jährlich rund 13 % des deutschen Bruttoinlandsproduktes umgesetzt. Mit ca. 250 Mrd. Euro im Jahr ist die Öffentliche Hand der größte Einkäufer bzw. Nachfrager in Deutschland.
Zusammen mit den Einkäufern von privatwirtschaftlichen Unternehmen verstärkt sich darüber hinaus die Marktstellung der Beschaffer. Nicht nur einzelne Beschaffungsentscheidungen haben direkte Umweltauswirkungen - die Beschaffung kann künftige Produktentwicklungen grundsätzlich beeinflussen. Andererseits stehen den nationalen und regionalen Beschaffern oft weltweit agierende Unternehmen gegenüber, die auf individuelle Vorstellungen häufig nicht mehr eingehen können. Eine Möglichkeit, die Nachfragemacht zu stärken - jenseits der Bündelung von Beschaffungsaufträgen (kooperative Beschaffung) - stellt die Nutzung von Energielabels bzw. ihrer etablierten Kriterien dar.
Die Berliner Energieagentur GmbH (BE) hat gemeinsam mit der B.& S.U. Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt mbH und 10 weiteren Partnern aus 8 Ländern erfolgreich das Nachfolgeprojekt zu „Energy Labels" im Rahmen des Europäischen Programms „Intelligent Energy for Europe" eingereicht. Das neue Europäische Modellprojekt mit dem Titel „GreenLabelsPurchase - making a greener procurement with energy labels" verfolgt innerhalb der Projektlaufzeit von Januar 2006 bis Juni 2008 das Ziel, die Nutzung von Energielabels im Beschaffungsprozess öffentlicher Einrichtungen, dem tertiären Sektor sowie in Verwaltungen von Industrie und Mittelstandsunternehmen zu fördern. Im Einzelnen:
- Steigerung des Bewusstseins und Know-hows in Bezug auf Energielabels als ein vereinfachendes Instrument im öffentlichen und privaten Beschaffungswesen
- Weiterentwicklung und Verbreitung standardisierter Werkzeuge zur Unterstützung einer größeren Verbreitung von Energie bezogenen „grünen" Beschaffungsprozessen
- Identifizierung der größten Hindernisse gegenüber dem Einsatz von energiebezogener „grüner" Beschaffung und zielgerichtete Aktionen, um diese Hindernisse zu überwinden
- Nutzung von energiebezogenen Beschaffungs-Pilotprojekten als erstem Schritt zu umfassender umweltfreundlicher Beschaffung und dadurch eine Unterstützung für regionale, nationale und europaweite umweltfreundliche Beschaffungsinitiativen
- Breite Umsetzung durch Fokussierung auf zielgruppenunspezifische Produktkategorien wie Informationstechnologien und Haushaltsgeräte, ergänzt von spezifischeren Kategorien wie Beleuchtung, Fahrzeuge sowie Ökostrom
Das Projekt gliedert sich in folgende Phasen:
- Vorbereitung: Die Projektstrategie wird detailliert ausgearbeitet, die wichtigsten Informationsmaterialien und Beratungswerkzeuge werden entwickelt
- Entwicklung: Die Strategie einer standardisierten Methode wird anhand einer ausgewählten Zielgruppe überprüft und Pilotprojekte werden gestartet
- Umsetzung: Die Zielgruppe wird erheblich vergrößert und die Umsetzung einer großen Anzahl von Beschaffungsprojekten gezielt durch E-Mails, individuelle Beratungen und Seminare gefördert
- Nachhaltigkeit: Die Einführung von nachhaltigen Beschaffungsrichtlinien wird auf Basis der Evaluierung avisiert
Das hier angebotene Kampagnenmodul soll die schon geschaffenen Bausteine innerhalb der Kampagne „Klima-sucht-Schutz" inhaltlich und thematisch - insbesondere um die Themen Beleuchtung und Fahrzeuge - erweitern. Den Schwerpunkt des Projektes bilden jedoch die Initiierung von Pilotprojekten, die Beratung von Beschaffern sowie die Verbreitung der Erfahrungen und Beratungsinstrumente durch Pressemitteilungen, Expertenartikel, Präsentationen, Workshops und Konferenzen.
Folgende Ergebnisse werden durch die Aktivitäten von BE und B.&S.U. mbH im Rahmen des Europäischen Modellprojektes auf nationalem Level erwartet:
- Länderübergreifende Analyse von Beschaffungsstandards sowie Erfolgsfaktoren für die Integration von Energielabels in den Beschaffungsprozess
- Entscheidungshilfen und Beschaffungswerkzeuge, die auf eine standardisierte Umsetzung von grünen Beschaffungen auf Basis der Kriterien von Energielabels zielen, werden (weiter-) entwickelt und für Informationstechnologien, Haushaltsgeräte, Beleuchtung, Fahrzeuge und Grünen Strom verbreitet.
- Die Projektwebsite sowie die Kampagnenwebsite www.klima-suchtschutz.de vermitteln Hintergründe, aktuelle Informationen und Beschaffungswerkzeuge
- 10 Pilotprojekte mit Energie bezogenen „grünen" Beschaffungen werden entwickelt, um diese im Rahmen des Projektes zu präsentieren
- Das Projekt sowie Entscheidungshilfen und Beschaffungswerkzeuge werden auf 10 thematisch passenden Events präsentiert
- Insgesamt 8.000 Entscheidungsträger werden informiert, um 100 Beschaffer zu der Umsetzung von Energie bezogenen „grünen" Beschaffungen zu motivieren
- Insgesamt 800 Entscheidungsträger werden informiert, um 10 Beschaffer zu der Einführung von nachhaltigen Beschaffungsrichtlinien motivieren
- Eine relevante Steigerung des Bewusstseins von Hauptakteuren innerhalb der Zielgruppe um durch Präsentationen, Pressemitteilungen und Fachartikel eine langfristige Wirkung zu erreichen
- Empfehlungen für nachhaltige Beschaffungsstrategien Das Projekt wird von einem internationalen sowie dem nationalen Beirat für Deutschland begleitet
